Folgender Bericht erschien in der Dezember 2000 Ausgabe von Schänis Aktuell:


Schweiss, dreckige Kleider, müde Glieder…

und doch zufrieden

 

«Warum nicht mal eine Woche lang in der Natur draussen arbeiten?», hat sich unsere Klassenlehrerin, Frau S. Bernold, gefragt. Und so hat sie von unserer Klasse die Erlaubnis eingeholt, bei der Stiftung Umwelteinsatz Schweiz detaillierte Informationen anzufordern. Trockenmauern bauen, den Wald aufräumen, Tannenbäume setzen ‑ das tönte zwar nach harter, doch auch spannender Arbeit. So entschlossen wir uns, auf ein Lager in der Westschweiz zu verzichten und stattdessen unsere Arbeitskraft dem Forstamt La Punt Chamues‑ch im Engadin zur Verfügung zu stellen.

Ich fand es sehr lässig.

Durch die Zusammenarbeit wurde

der Kontakt unter uns viel

intensiver.

Am Samstag, 24. September, gings also ab in den Umwelteinsatz nach La Punt.

Um 13.45 Uhr trafen wir uns am Bahnhof in Ziegelbrücke. Schwer bepackt, bestiegen wir unseren Zug, der uns zur ersten Zwischenstation chauffierte. Zweimal mussten wir mit unserem schweren Gepäck umsteigen, bis wir um 17.00 Uhr in La Punt ankamen. Zum Glück wurde hier unser Gepäck mit einem Auto zur Unterkunft transportiert. Die Vorfreude auf unsere Zimmer war gross, aber als wir die schäbige Militärunterkunft sahen, fragten wir uns, ob wir es eine Woche lang hier aushalten würden, denn die unterirdischen Räume waren eiskalt, alt und ungemütlich.

Nach der ersten Nacht hatten wir uns von diesem ersten «Schock» erholt und gingen frisch und munter ins Gemeindehaus, wo uns der Revierförster Ralf Fluor genauer erklärte und vorzeigte, was wir zu tun haben. Als wir die offenen Anhänger sahen, in welchen wir zum Arbeitsplatz transportiert werden sollten, bekamen wir einen leicht nervösen Lachanfall. Wir konnten uns diesen Transport nicht vorstellen, denn es war am Morgen noch sehr kalt, nur ca. 0 ° bis 1°C. Dick eingepackt, mit Stirnband und Handschuhen versehen, rückten wir nahe zusammen, erzählten Witze, sangen aus vollem Hals und amüsierten uns so, dass wir die Kälte kaum mehr wahrnahmen. An unserer Arbeitsstelle im Wald angekommen, sammelten wir als Erstes die vielen Äste vom Waldboden zusammen, und bald schon begannen wir, uns aus unseren Kleidern zu schälen, weil uns warm und wärmer wurde. Ausserdem wurden wir auch immer schmutziger, was anfangs doch einigen zu schaffen machte ‑ so kann man sich im Dorf ja nicht sehen lassen!! Die dünneren Äste liessen wir durch eine lärmende Maschine, welche die Holzstücke zerkleinerte und in den Wald zurückschleuderte, wo sie verrotten und dem Boden neue Nahrung zuführen können. Diese Arbeiten erledigten wir den ganzen Tag über mit insgesamt drei verdienten Pausen.

Am frühen Abend kehrten wir, schweissgebadet und von Kopf bis Fuss verdreckt, zu unserer Unterkunft zurück, wo wir uns erstmals ausruhen konnten. Es tat so wohl, den müden Rücken und die schweren

Es war eine neue Erfahrung,

und die gemeinsame Arbeit stand

im Vordergrund. Ich würde es

jeder Klasse weiterempfehlen, da es den Klassengeist unterstützt

Arme unter der warmen Dusche zu entspannen und auf dem Bett alle Viere von sich zu Strecken. Doch für einige ging es mit der Arbeit schnurstracks weiter, denn wir hatten, jeder als Nebenarbeit, noch ein Ämtchen zugeteilt bekommen.

Nach unserem selbstgemachten Abendessen besichtigten einige das schöne Dorf Chamues‑CH. Danach fielen alle todmüde in die Heia und schliefen wie Murmeltiere bis zum nächsten Morgen, wo unsere Lehrer uns um 6.30 Uhr wieder weckten.

Anfangs waren alle noch sehr müde, doch das ging schnell vergessen, da wir beim Arbeiten viel Spass hatten. An diesem zweiten Tag errichteten wir in verschiedenen Lichtungen im Wald Feuerstellen, um zusätzlich das herumliegende Holz verbrennen zu können. Die nahe liegenden Äste waren schnell aufs Feuer geworfen, doch mit der Zeit mussten wir Ketten bilden und das Holz von einer Person zur anderen reichen. Wehe, wenn jemand den Arbeitsfluss durch Schwatzen oder Träumen unterbrach! Andere stimmten ausserdem frohgemut ein Lied an und gaben damit den Arbeitstakt an. Erst wenn das Feuer so riesig war, dass man sich ihm nicht mehr, ohne geröstet zu werden, nähern konnte, wurde ein neues entfacht. So ging es bis Mittwochmittag weiter. Da gab es für uns eine erste Überraschung: An unserem freien Nachmittag durften wir uns im Thermalbad Scuol von den körperlichen Strapazen erholen, was uns sehr gut bekam. So konnten wir am Donnerstagmorgen erholt an die Arbeit im Wald zurückkehren.

Eine Gruppe durfte neu nun einen Waldweg ausbessern, und die anderen verbrannten und zerkleinerten weiterhin Holzüberreste. Als wir schliesslich am frühen Abend im Dorf eintrafen, hatten wir für einmal keinen Stress mit Kochen, denn wir gingen diesen Abend in eine Pizzeria, wo uns fünf verschiedene Pizzas zur Auswahl standen, welche wir mit Genuss aufassen. Zusätzlich wurde uns vom Forstamt als Belohnung für unseren guten Einsatz ein Coupe spendiert, welcher natürlich auch sehr lecker schmeckte.

In der letzten Nacht hatten wir trotz Müdigkeit sehr viel Spass miteinander. Obwohl unsere Lehrkräfte immer wieder um Ruhe baten, waren einige zu laut, sodass schliesslich zwei Schülerinnen die zweite Hälfte der Nacht im Schlafsaal der Lehrer/innen übernachten mussten. Nach dieser kurzen wie auch amüsanten Nacht mussten wir uns am Freitag wieder der Waldarbeit widmen, was sehr hart war, da wir Mädchen wegen einer Wette kaum geschlafen hatten. Doch obwohl der Gewinnerin eine grosse Belohnung versprochen war, hatte es keine geschafft, die ganze Nacht wach zu bleiben.

 

Wer genug hatte vom Holz schleppen, meldete sich am letzten Nachmittag freiwillig beim Putztrupp. Das Reinigen der riesigen Schlafsäle und der alten Küche erwies sich jedoch als mindestens so anstrengend

Es hat mega Spass gemacht,

 

und ich würde es jederzeit

 

wiederholen. Nur wünschte ich,

 

wir hätten mehr Freizeit gehabt.

wie die Waldarbeit. Schliesslich war alles gepackt und geputzt, und der Ab­schied von La Punt Chamues‑CH nahte. Die

Stimmung war recht betrübt, als wir am Bahnhof auf unseren Zug warteten. Irgend­ wie waren alle froh, nach Hause zu können, aber andererseits wollte man noch gerne eine weitere Woche bleiben, weil das Verhältnis zu unseren Kameraden und auch Lehrkräften die ganze Woche über erste Klasse gewesen war.

Als der Zug eintraf, setzte man sich müde in die Abteile, einige schliefen schnell und die anderen unterhielten sich, um nicht einzuschlafen. Das Umsteigen war für uns um einiges mühsamer als auf der Hinreise, da unsere Kräfte im Wald von La Punt aufgebraucht worden waren. In Ziegelbrücke angekommen, hiess es für drei Wochen Abschied nehmen von Mitschülerinnen und Lehrkräften. Ob zu Hause erholen oder an einem südlichen Ort ausspannen die Ferien waren diesmal für uns alle sicher wohl verdient.

Wir würden jenen Klassen, die sich dafür interessieren, aufs Wärmste einen solchen Umwelteinsatz empfehlen, denn wir hatten es sehr lustig, waren zwar müde, aber auch befriedigt durch die geleistete Arbeit und werden diese Woche als unvergessliches Erlebnis in Erinnerung behalten.